E-tropolis Festival 2014 - Bericht

      E-tropolis Festival 2014 - Bericht

      Zum vierten Mal präsentierte sich das E-tropolis Festival 2014 erstmals in Oberhausen in der Turbinenhalle. Ca 4000 Leute feierten auf zwei Bühnen verteilt ihre Lieblingsacts aus dem Elektrobereich der schwarzen Szene. Mit hochkarätigen Live-Acts stellt sich der kleine Bruder vom Amphi Festival als ernstzunehmende Alternative für den typischen Festivalgänger heraus.

      Es war ein regnerischer Samstag-Mittag in Oberhausen. Am Eingang der Turbinenhalle begrüßte uns ein riesiger Wassersee und eine nicht enden wollende Menschenmasse am Einlass. Jedoch lief hier alles reibungslos und zügig. Vom Einlass über das Eintauschen von Geld in Wertbons bis zu Garderobe war alles was man suchte direkt vorhanden.

      Pünktlichst um 14 Uhr legte die erste Band Chrom auf der Mainstage los. Dem Einen oder Anderen könnte sie bereits als Blutengel Vorband im Gedächtnis geblieben sein.

      Kurz darauf ging es auch auf der 2nd Stage mit Steinkind los, wo man in Anbetracht der Uhrzeit schnell die Hüllen fallen lies ;) Trink Mich, Es wird Zeit, Deutschland brennt, die Steinkind Fans mussten keinen ihrer Lieblingssongs missen.

      Direkt nach dem Konzert wurden man mit der Menschenmasse quasi durch das Nadelöhr des Festivals „die Garderobe“ oder besser gesagt den „Schließfachraum“ geschoben. Bei einem Wechsel von Bühne zu Bühne musste man mit einer etwas langwierigen Wanderung rechnen. Bis wir schlussendlich bei [x]-Rx ankamen, die ihre Performance weiter optimiert haben und im Duo überzeugten.

      Bei XotoX machte sich starkes Sonnenlicht auf der Second Stage bemerkbar, dass etwas von der verstörend, hypnotisierenden Atmosphäre einbüßen lies. Mit weiblicher Unterstützung an seiner Seite präsentierte Andy aka XotoX, dass er auch nach über 12 Jahren noch eine fantastische Liveperformance hinlegen kann. Mit Rhythmic-Noise Klassikern wie „Schwanengesang“ und „I want You“ konnte man es als Zuschauer in der Sonne aushalten ;)

      Etwas voller und ruppiger auf der Bühne wurde es dann wieder mit Tyske Ludder. Dort feierten Fans überschwänglich unter anderem „den Androgynen Helden“ und ihren „Abgesang“. Die Band war sichtbar gut drauf. Der Schlagzeuger kletterte kurzerhand das Bühnengerüst nach oben um von oben mit der Menge mitzugröhlen.

      Lichteffektemäßig übertrieben ging es bei Dive zu. Man muss hier gerechterweise sagen, dass es zur Musik einfach dazugehört. Trotzdem merkte man, dass es für Dirk Ivens anspruchsvoll gewesen sein muss sich dem gesamten Strobofeuer minutenlang zu stellen. Er machte seine Vorstellung trotzdem so gut, dass er eine der begehrten, seltenen Zugaben an diesem Abend einheimste und mit „There is No Hope“ stolzen Schweißes die Konzertbühne verlies.

      Etwas bunter als sonst kamen dieses Jahr Aesthetic Perfection rüber, die mit ihrem gerade erschienen, neuen Album neue Wege eingeschlagen haben.

      Faderhead konnten die meisten erhobenen Hände in der frühen Nachmittagszeit des Festivals für sich verbuchen. Bei Hits wie „TZDV“ gab es für das Publikum kein Halten mehr und in meinen Augen war es der erste zufriedenstellende Applaus, den das Publikum hier abgeliefert hat ;)

      Künstlerisch eröffneten Agonoize ihren Part mit dem gelungenen Hintergrundvorhang, einer Kirche mit Taufbecken. Die Mainstage war erstmals überfüllt und man musste ein paar Minuten ausharren bis man über die Rampen in den Konzertsaal gelangen konnte. Basstechnisch waren sie mit der lauteste Act an diesem Abend.

      Genauso hart und basslastig ging es weiter mit den teuflischen Mexikanern Hocico. „Tales From the Third World“ war ein genialer Auftakt, der nur noch von dem hysterisch, flotten „Bite Me“ übertroffen wurde. Bei "Forgotten Tears" merkte man auch endlich wieder wie voll der Saal eigentlich ist, als alle die Hände zum Taktklatschen hoben.

      Auf der 2nd Stage mussten Rotersand sich bemühen, die Leute zu Beginn ihres Konzertes abzuholen. Eine Leichtigkeit für Sänger Rascal, der mit Ausrufen wie „Seid ihr denn auch gerne hier?“ und „ich glaub wir auch!“ schnell das Publikum auf seiner Seite hatte. Eine besondere Überraschung war dort der Gastauftritt vom Faderhead Sänger Samy Markyahya, der zum Song „Exterminate, Annihilate, Destroy überraschend dazu stieß um dem ganzen ein wenig Nachdruck zu verleihen.

      Den krönenden Abschluss auf der Second Stage feierten Suicide Commando, die mit ihrer Bühnenshow einen Höhepunkt des Festes darstellten. Obszön, skuriel, provokant und manchmal auch erschreckend ekelig, liefen passende Videos zu jedem Song auf einer Leinwand im Hintergrund. So wurde zum Beispiel der Song „Cause of Death: Suicide“ mit einem 40 Sekunden Countdown unterlegt der diesem Song weitern Tiefgang und eine wunderbare neue Visuelle Ebene geben konnte. Gleich zu Beginn kämpfte man leider mit einer technischen Störung, die jedoch von Johan van Roy durch ein Live accapella Song bravourös überbrückt wurde und das Publikum nahm es ihnen auch nicht übel. Der Applaus ganz am Ende war etwas verhalten wie bei fast jedem anderen Auftritt. Es mag hier durchaus daran gelegen haben, dass nach einem mehrstündigen Konzert bei allen wie auch bei uns so langsam die Müdigkeit einsetzte.

      Für jeden der noch nicht genug hatte standen auf der Mainstage die Krupps als Headliner bereit und im T-Club konnte man sich noch bis 4 Uhr auf der Tanzfläche austoben.

      Fazit:
      Es war ein gelungenes E-Troplis Festival 2014 in der neuen Location Oberhausen, das vom Publikum gut angenommen wurde. Es verlief weitgehend reibungslos und man konnte sich dort ausgiebig austoben. Lediglich für Leute die nach 21:00 noch Hunger bekommen haben war nicht mehr ausreichend gesorgt.

      Für das nächste Jahr wünschen wir uns mehr Bedienungen im Restaurant, weniger Stolperfallen und ein motivierteres Publikum. Den Rest kann man als gelungenes Festival und ernstzunehmende Alternative für alle Elektrofans bezeichnen. Dank an die Organisatoren, Bands und Bediensteten für diese runde Vorstellung.

      Dargo

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